Die Jahreskreisfeste | Ursprung & Bedeutung

Die JahreskreisfesteIn den sozialen Medien und auch anderswo wird eifrig darüber gestritten, ob die Sonnen- und Mondfeste, allgemein bekannt als die Jahreskreisfeste, eine neuzeitliche Erfindung oder alte Tradition sind, wann genau sie begangen werden sollten und wie man sie zu bezeichnen hat. Diesen Streit beizulegen, scheint eine unlösbare Aufgabe zu sein. Manche dieser Feste haben einen nachweisbaren Ursprung im irischen und schottischen Brauchtum, andere Feste sind historisch nicht belegbar. Besonders problematisch erscheint die Festlegung allgemeingültiger Termine, da schon über den Beginn des Jahres keine Einigkeit erzielt werden kann. Ursprung dieses Durcheinanders sind mehrere Kalenderreformen, die im Laufe der Jahrhunderte durchgeführt wurden.
Bild 1: Der Jahreskreis

Mond- und Sonnenkalender

Bis vor ca. zweitausend Jahren waren Mondkalender üblich, die mit verschiedenen Methoden an das Sonnenjahr angepasst werden mussten. Im Jahr 45 v. Chr. wurde von Julius Caesar einer der ersten Sonnenkalender, der julianische Kalender, eingeführt. Dieser Kalender weicht jedoch vom Sonnenjahr ab, er ist elf Minuten und vierzehn Sekunden länger. Dadurch verschiebt sich zum Beispiel der Frühlingsanfang etwa alle 128 Jahre um einen Tag in Richtung Jahresanfang.

Im Jahr 1582 führte Papst Gregor XIII. den gregorianischen Kalender ein, der heute noch genutzt wird. Die Umstellung brachte jedoch so manche Probleme mit sich. Zunächst benutzten ihn überwiegend die römisch-katholischen Staaten. Die meisten protestantischen Staaten behielten den julianischen Kalender bis ins 18. Jahrhundert bei. Gerade in den konfessionell gemischten Gebieten Deutschlands führte das zu einem umständlichen Nebeneinander zweier verschiedener Kalender. Russland führte den gregorianischen Kalender am 14. Februar 1918 ein. Das führte dazu, dass das Datum der Oktoberrevolution von 1917, die diese Umstellung erst ermöglicht hatte, nun im November lag. Als letztes europäisches Land führte das Königreich Griechenland den gregorianischen Kalender im Jahr 1923 ein.

Das Kalender-Chaos

Viele orthodoxe Kirchen verwenden auch heute noch den julianischen Kalender, der aktuell dem gregorianischen um 13 Tage nachläuft. Das Weihnachtsfest fällt dort daher auf den 7. Januar des gregorianischen Kalenders. Zumeist wurde die Umstellung auch rückwirkend vorgenommen. Datumsangaben in älteren Überlieferungen sind jedoch nur selten entsprechend gekennzeichnet und in der Wissenschaft wird zum Beispiel der julianische Kalender auch heute noch für die Jahre vor dem Wirken Caesars verwendet. Exakte Datumsangaben sind also recht unzuverlässig, wenn sie sich auf lange zurückliegende Ereignisse beziehen. Es bleibt immer die Frage, nach welchem Kalender sie sich richten und ob sie vielleicht sogar aus der Zeit der Mondkalender übertragen wurden.

Die Feste, für die ein klarer Nachweis im Brauchtum keltischer und/oder germanischer Völker besteht, orientieren sich an astronomischen Ereignissen. Es macht also Sinn, die Daten entsprechend dem aktuellen gregorianischen Kalender an eben diesen Ereignissen festzumachen. Dabei können wir auf eine sehr lange Tradition zurückblicken.

Stonehenge

Mithilfe der Radiokarbondatierung wurde ermittelt, dass mit dem Bau von Stonehenge um ca. 3100–2900 v. Chr. begonnen wurde. Vorerst bestand die Anlage aus einem heute noch erhaltenem Wall mit einem ihn umfassenden Graben und hatte einen Durchmesser von etwa 115 m.

Stonehenge

Bild 2: Stonehenge
Etwa um 2600–2400 v. Chr. wurden in der Mitte zwei konzentrische Halbkreise aus 80 Steinen, den sogenannten Blausteinen, angelegt. Die Blausteine stammen aus dem Gebiet der Preseli-Berge, die etwa 240 km von Stonehenge entfernt liegen. Blausteinen wird eine große Heilkraft zugeschrieben. Da bei Ausgrabungen auch immer mehr Beweise für Krankheiten und Verletzungen an menschlichen Überresten gefunden wurden, führte dies zu der Theorie, dass es sich bei Stonehenge um ein Zentrum für Heilung gehandelt haben könnte.

Die Haupt-Bautätigkeit fand etwa zwischen 2550 und 2100 v. Chr. statt. 74 Megalithe wurden aufgestellt, die Stonehenge sein bekanntes typisches Aussehen verleihen. Dreißig von ihnen bildeten einen Kreis von ca. 30 m Durchmesser. Der Nachweis über die genaue Anzahl wurde erst 2013 erbracht. Innerhalb dieses Kreises wurde dann das Hufeisen aus den 5 Trilithen aufgestellt. Die Ausrichtung der Steine erfolgte so, dass die Sonne am Morgen des Mittsommertags direkt über dem Heelstone aufging.

Ausrichtung von Stonehenge

Der Aufgangspunkt der Sonne zum Datum der Sommerwende ist abhängig von der geografischen Breite. Eine zufällige Ausrichtung der Steine kann daher nahezu mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Ob der Aufgangspunkt errechnet wurde oder man ihn durch Versuche ermittelt hat, ist nicht bekannt. Er wurde jedoch exakt bestimmt und der komplette Aufbau von Stonehenge ist bereits von Anfang an danach ausgerichtet. Damit ist es perfekt dazu geeignet, die Sommer- und Wintersonnenwende sowie die Frühlings- und Herbsttagundnachtgleiche exakt vorauszusagen.

War Stonehenge ein Sonnentempel?

Die Anordnung der Megalithe führte (unter Vernachlässigung der Blausteine) zu der Theorie, dass es sich bei Stonehenge um einen Sonnentempel oder auch um ein steinzeitliches Observatorium gehandelt haben könnte. Der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Bauphasen und das nachträgliche Umstellen der Blausteine könnte durchaus darauf hinweisen, dass sich der geplante Zweck der Anlage während der Errichtung geändert hat. Warum die Anlage an diesem Ort errichtet wurde, konnte bisher auch nicht geklärt werden. Ausgrabungen haben jedoch gezeigt, dass er bereits vor 11.000 Jahren eine besondere rituelle Bedeutung für die Menschen hatte.

Das folgende Bild 3 veranschaulicht die Ausrichtung der Anlage nach dem Aufgangspunkt der Sonne zum Datum der Sommerwende.
Stonehenge zu Mittsommer

Es gibt noch sehr viele Theorien und teils auch wilde Spekulationen über den Zweck von Stonehenge. So interpretierte William Stukeley, ein britischer Altertumsforscher aus Yorkshire, es Mitte des 18. Jahrhunderts als römische Wagenrennbahn. Im Laufe der Zeit wurde in der Anlage ein vorsintflutlicher Tempel aus der Zeit Noahs, eine Krönungsstätte der dänischen Könige Englands und ein römischer Tempel zu Ehren des Gottes Coelus vermutet. Doch immer wieder gab es auch Stimmen, die in der Anlage einen Mond- und manchmal sogar einen Sonnenkalender sahen.

Neue Erkenntnisse

In den letzten Jahrzehnten gab es nur wenige Ausgrabungen auf dem Gelände von Stonehenge. Seit 1918 ist das Monument im Besitz des englischen Staates und wird vom English Heritage verwaltet. Im Vordergrund steht dabei die Erhaltung und touristische Nutzung. Im April 2008 war es dann aber doch möglich. Die Professoren Timothy Darvill und Geoffrey Wainwright leiteten gemeinsam mit Dr. Miles Russell neue Ausgrabungen in Stonehenge, um die frühen Steinstrukturen auf dem Gelände zu untersuchen. Ihre Arbeit wurde von einem BBC Timewatch-Programm begleitet, in dem die Theorie untersucht wurde, ob Stonehenge ein prähistorisches Zentrum der Heilung war. Das Ergebnis war jedoch anders als erwartet. Die Untersuchungen bestätigten nicht nur, dass es sich bei Stonehenge um einen Kalender handelt, sie entschlüsselten sogar seine Funktionsweise.

Nach einer Pressemitteilung der Universität Bournemouth erkannte Professor Darvill in der Anordnung der Steine einen Sonnenkalender. „Der vorgeschlagene Kalender funktioniert sehr unkompliziert. Jeder der 30 Steine im Sarsen-Kreis repräsentiert einen Tag innerhalb eines Monats, der wiederum in drei Wochen mit jeweils 10 Tagen unterteilt ist“, sagte er und stellte fest, dass markante Steine im Kreis den Beginn jeder Woche markieren. Zusätzlich wurden ein Schaltmonat von fünf Tagen und ein Schalttag alle vier Jahre benötigt, um dem Sonnenjahr zu entsprechen. „Der Schaltmonat, der wahrscheinlich den Gottheiten des Ortes gewidmet ist, wird durch die fünf Trilithen im Zentrum des Ortes dargestellt“, sagte Professor Darvill, „und die vier Stationssteine außerhalb des Sarsen-Kreises stellen Marker für das Einfügen von Schalttagen dar.“

Sonnenwenden als Basis

Die Winter- und Sommersonnenwende wird jedes Jahr von denselben Steinpaaren eingerahmt. Einer der Trilithen umrahmt auch die Wintersonnenwende, was darauf hinweist, dass möglicherweise so der Beginn eines neuen Jahres markiert wurde. Diese Ausrichtung zur Sonnenwende hilft auch bei der Kalibrierung des Kalenders, denn Fehler beim Zählen der Tage wären leicht erkennbar, da die Sonne zur Sonnenwende am falschen Ort stehen würde.

Sonnenkalender der Steinzeit

Ein Kalender mit 10-Tage-Wochen und einem zusätzlichen Schaltmonat mag heute ungewöhnlich erscheinen. Solche Kalender wurden jedoch in dieser Zeit von vielen Kulturen übernommen. „Ein solcher Sonnenkalender wurde im östlichen Mittelmeerraum in den Jahrhunderten nach 3000 v. Chr. entwickelt und in Ägypten um 2700 als Zivilkalender übernommen und war zu Beginn des Alten Reiches um 2600 v. Chr. weit verbreitet“, sagte Professor Darvill. Dies erhöht die Möglichkeit, dass der von Stonehenge verfolgte Kalender aus dem Einfluss einer dieser anderen Kulturen stammt. Funde in der Nähe weisen auf solche kulturellen Verbindungen hin – der nahe gelegene Amesbury-Bogenschütze, der etwa zur gleichen Zeit in der Nähe begraben wurde, wurde in den Alpen geboren und zog als Teenager nach Großbritannien.

Professor Darvill hofft, dass zukünftige Forschungen Licht auf diese Möglichkeiten werfen könnten. Alte DNA und archäologische Artefakte könnten Verbindungen zwischen diesen Kulturen aufdecken. Bereits die Entdeckung eines konkreten Sonnenkalenders in Stonehenge sollte jedoch unsere Sichtweise auf den Fundplatz verändern: „Das Finden eines Sonnenkalenders, der in der Architektur von Stonehenge dargestellt ist, eröffnet eine ganz neue Sichtweise auf das Bauwerk als einen Ort für die Lebenden“, sagte er. „Ein Ort, an dem die Zeitplanung von Zeremonien und Festen mit dem Gefüge des Universums und den Himmelsbewegungen verbunden war.“

Vermutungen

Nun erfindet man nicht einen Kalender und entscheidet spontan, ihn an einem Ort zu bauen, der schon seit Jahrtausenden eine besondere Bedeutung hat. Auch baut man erst einmal kleinere Versionen und macht sich nicht sofort an ein Projekt, welches Unmengen an Ressourcen ver-schlingt, Hunderte von Arbeitskräften bindet und Jahrhunderte bis zu seiner Fertigstellung dauert. Es scheint also naheliegend, dass Stonehenge nur der Gipfel einer langen Entwicklung ist. Henges, Steinkreise und ähnliche Formationen sind keineswegs selten. Die Frage ist jedoch, ob es bereits vor Stonehenge schon Bauten gab, die als Kalender genutzt wurden.

Steinkreis von Avebury

Henges und ähnliche Steinformationen sind hauptsächlich in England zu finden und es werden auch heute noch neue Bauten entdeckt. Nur wenige von ihnen werden jedoch gründlich erforscht. Wo sie aber erhalten und erforscht werden, kommt man häufig zu ähnlichen Ergebnissen: Man kann mit ihnen die Sonnenwenden, die Tagundnachtgleichen und/oder die Mondphasen ermitteln, und sie wurden für kultische Zwecke genutzt.

Die Jahreskreisfeste

Bild 4: Der Steinkreis von Avebury liegt in der Grafschaft Wiltshire und wurde 2600 bis ca. 2500 v. Chr. errichtet. Wegen seiner Größe (427 m Durchmesser) wird er auch als „Super-Henge“ bezeichnet. Inklusive des umgebenden Walls umfasst er eine Fläche von etwa 15 Hektar. Von den ursprünglich 154 Megalithen sind heute noch 36 erhalten. Auf Weisung der christlichen Kirche wurde das Monument ab dem 14. Jahrhundert systematisch zerstört. Viele der Steine wurden vergraben, im 17. und 18. Jahrhundert auch zerbrochen und als Baumaterial verwendet. Die Mittellinie des Steinkreises von Avebury ist auf den Mittsommer-Sonnenaufgang ausgerichtet.

Steinkreise von Beaghmore

Die Jahreskreisfeste

Bild 5: Steinkreise von Beaghmore
Die Errichtung der sieben Steinkreise von Beaghmore in Nordirland wird auf ca. 1600 v. Chr. datiert. Beaghmore, „das Birkenmoor“, wurde erstmals 1945–1949 freigelegt. Dabei wurden 1269 Steine gefunden, die in der dicken Torfschicht begraben waren. Die Anlage gilt als einzigartig in der Welt. Eine Besonderheit sind die vielen Steinreihen, die die Kreise verbinden. Ein typisches Merkmal der Beaghmore-Steinreihen ist eine „high and low“ – Anordnung, bei der kurze Reihen hoher Steine neben viel längeren Reihen kleiner Steine verlaufen, die alle zum Mittwintersonnenuntergang im Südwesten ausgerichtet sind.

1965 erfolgten weitere Ausgrabungen. Dabei wurde in dem einzigen Einzelkreis eine massive Anordnung von ca. 900 aufrecht stehenden Einzelsteinen freigelegt. Der Kreis selbst ist in Ost-West-Richtung oval, was auf Erdverschiebungen (Torfgebiet) hindeuten kann. Exakte Vermessungen sind daher leider nicht mehr möglich. Es wird angenommen, dass die Kreise und Reihen, die wir heute an der Stätte sehen, bei Weitem nicht die ganze Anlage darstellen. Auch gibt es sehr klare Hinweise auf eine ältere Nutzung der Stätte. Herde und Ablagerungen von Feuersteinwerkzeugen wurden entdeckt und mit der Radiokarbonmethode auf 2900–2600 v. Chr. datiert. Außerdem verlaufen mehrere der Steinreihen über die eingestürzten Mauern von Feldstrukturen, die ebenfalls aus der Jungsteinzeit stammen.

Steinkreis von Drombeg

Der Steinkreis von Drombeg mit einem Durchmesser von mehr als neun Metern besteht aus 17 eng beieinander stehenden Steinen, von denen einer flachliegt.

Die Jahreskreisfeste

Bild 6: Steinkreis von Drombeg
1923 wurde die Anlage von Boyle Somerville (1863–1936) untersucht und vermessen. Die nachfolgende Skizze (Bild 7), angefertigt von Boyle Somerville im Jahr 1909, zeigt die astronomische Ausrichtung der Anlage.

Die Jahreskreisfeste

Die Verlängerung der Achse zwischen den beiden, als „Portal Stones“ bezeichneten, fast zwei Meter hohen Menhiren im Nordosten, weist über den liegenden Stein auf einen nahe gelegenen Hügel im Südwesten. Dies orientiert die Anlage – wie so viele andere Steinsetzungen auch – in Richtung der Wintersonnenwende.

Steinkalender in Deutschland

Nun drängt sich die Frage auf, warum solche Kalender nur auf den britischen Inseln zu finden sind. Tatsächlich sind derartige Bauten in Deutschland sehr viel seltener zu finden und auch bei Weitem nicht so gut erforscht, wie zum Beispiel in England. Das bedeutet jedoch nicht, dass es sie nicht gibt! Viele Steinsetzungen in Deutschland wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts systematisch zerstört und das Material wurde bevorzugt in Kirchen verbaut. Was noch stand, fiel zu einem großen Teil den Weltkriegen zum Opfer. Nach 1945 wurde dann alles, was im Verdacht stand, „germanischen Ursprungs“ zu sein, bewusst ignoriert, zerstört oder einfach dem Verfall preisgegeben. Der Umgang mit unserer Vergangenheit hat uns vieler physischer Beweise der Leistungen unserer Vorfahren beraubt. Es gibt jedoch einige interessante Überbleibsel!

Boitiner Steintanz

In Mecklenburg-Vorpommern befinden sich die vier als „Boitiner Steintanz“ bekannten Steinkreise. Die Kreise I, II und III bilden zusammen den „Großen Steintanz“. 140 Meter südöstlich davon liegt Kreis IV, der „Kleine Steintanz“.

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Bild 8: Boitiner Steintanz
Die Mittelpunkte der Kreise I und III bilden gemeinsam mit einem zusätzlichen „Visierstein“ und dem Mittelpunkt des Kreises IV eine Linie, die exakt auf den Punkt des Sonnenaufgangs der Wintersonnenwende zeigt. 28 Steine im „Großen Steintanz“ stehen für die Tage eines Mondmonats. Die 13 Monate des Jahres werden durch die 13 Steine des „Kleinen Steintanzes“ bezeichnet. Ein zusätzlicher Stein außerhalb der Kreise steht für den 365. Tag des Jahres, um den Mondkalender an das Sonnenjahr anzupassen.

Am Kreis IV sind zusätzliche vier Steine angeordnet, mit denen die Schaltjahre bestimmt werden konnten. Wie heute auch noch, wurde damit der ¼ Tag ausgeglichen, der heute alle vier Jahre im Februar den gregorianischen Kalender mit dem Sonnenjahr in Übereinstimmung bringt. Eine zeitliche Bestimmung der Errichtung dieser Anlage wurde nie vorgenommen. Ausgrabungen im Jahre 1929 brachten einige Urnen aus der Eisenzeit zutage, sodass das Alter der Anlage dahingehend datiert wurde. Schätzungen deuten jedoch auf ein Alter von ungefähr 3000 bis 4000 Jahren.

Timber Circles

Wenn Stonehenge der Höhepunkt einer langen Reihe von Steinsetzungen war, gab es vielleicht noch ältere Bauwerke, mit denen Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen und/oder Mondphasen ermittelt wurden? Ja, die gab es tatsächlich! Es sind die sogenannten Timber Circles (Pfostenkreise).

Das nördlich von Amesbury gelegene, in Anlehnung an das nur etwa 3,2 km südwestlich gelegene Stonehenge benannte Woodhenge, wurde vermutlich um das Jahr 2340 v. Chr. , also vor den Steinsetzungen in Stonehenge, errichtet.

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Bild 9: Woodhenge
Von Woodhenge sind nur noch die 168 Pfostenlöcher erhalten, die heute durch niedrige Betonpoller markiert sind. Die Anlage war von einem niedrigen Wall mit Außengraben umgeben. Ebenso wie Stonehenge gab es einen Zugang aus nordöstlicher Richtung. Die sechs elliptischen Pfostenringe liegen auf der Achse des Mittsommer-Sonnenaufganges. Pfostensetzungen sind heute sehr viel schwerer zu finden als Steinsetzungen. Das Holz ist längst verrottet und sie lassen sich nur anhand der Pfostenlöcher rekonstruieren. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass sie vor und teilweise auch noch neben den Steinsetzungen als Kalender genutzt wurden. Und oftmals lässt die Rekonstruktion den Schluss zu, dass mit ihnen zumindest die Daten der Sonnenwenden und die Mondphasen ermittelt werden konnten.

Zurück in die Steinzeit

Wir können noch sehr viel weiter in die Vergangenheit schauen, um Beweise für die Kenntnis astronomischer Ereignisse der Steinzeitmenschen zu finden. Vor den Timber Circles wurden dazu schlichte Gruben genutzt. Aus nachvollziehbaren Gründen sind solche Anordnungen von Gruben heute natürlich noch viel schwerer zu finden als zum Beispiel Pfostenkreise. Aber wir haben Glück! In der schottischen Region Aberdeenshire wurde 2004 der sogenannte Warren Field Mondkalender entdeckt.

Die Jahreskreisfeste

Bild 10: Der Plan der Warren Field Grubenausrichtung unterhalb der symbolischen Anordnung der Gruben in Bezug auf den Slug Road Pass. Grün zeigt einen späteren Nachschnitt an und graue Merkmale sind von unsicherem Charakter. Der Hintergrund wurde zu Darstellungszwecken übertrieben dargestellt (© Google Earth, Plan based on Murray et al. 2009, Abb. 3).

Warren Field Mondkalender

Bei dem Warren Field Mondkalender handelt es sich um 12 Gruben, die mit den Mondphasen korrelieren und als Mondkalender verwendet wurden. Diese Gruben richten sich am südöstlichen Horizont und einem markanten topografischen Punkt aus. Eine etwas vorgelagerte Grube ist mit dem Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende verbunden. Sie ermöglicht eine jährliche astronomische Korrektur bezüglich des Zeitverlaufes, also eine Anpassung des Mondkalenders an das Sonnenjahr. Im Prinzip nicht viel anders, als wir es heute mit dem Schaltjahr machen.

Was diesen Mondkalender so besonders macht, ist die Zeit seiner Errichtung: Er wurde um 8.000 v. Chr., also bereits im Mesolithikum, der Mittelsteinzeit, von Jägern und Sammlern erbaut. Damit gilt er heute als der älteste bekannte Mondkalender der Welt.

Der Warren Field Mondkalender wirft ein ganz neues Licht auf die bisherigen Erkenntnisse zur Entwicklung der Menschen in Europa. Die Theorie, dass die Sesshaftwerdung der Menschen eine Voraussetzung für das Entwickeln eines Kalenders war, ist damit hinfällig. Jahrtausende vorher waren bereits Kalender bekannt, konnten die Äquinoktien, Sonnenwenden, Jahreszeiten und Mondphasen vorhergesagt werden. Das Leben der Menschen verlief schon damals keineswegs so planlos, wie lange Zeit angenommen wurde.

Die Leistung der nichtsesshaften Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit, die den Warren Field Mondkalender errichteten, ist nicht geringer einzuschätzen, als die der Menschen, die bis zu 50 Tonnen schwere Steine von Wales nach Stonehenge transportierten. Doch warum haben Menschen über Jahrtausende hinweg immer wieder solche Großprojekte in Angriff genommen?

Fazit

Die Termine der Sonnenfeste richten sich nach den Tagundnachtgleichen sowie den Sonnenwenden, die der Mondfeste nach dem Stand des Mondes. Somit ist die Fähigkeit der Berechnung und der Vorhersage dieser Ereignisse auch der Ursprung der Feste im Jahreskreis. Wir wissen mit Sicherheit, dass die Kenntnisse und Fähigkeiten zur Berechnung dieser besonderen Tage bereits vor 10.000 Jahren vorhanden waren und die speziellen astronomischen Konstellationen auch damals schon eine gewisse Bedeutung für die Menschen hatten.

Der Ursprung der Sonnen- und Mondfeste liegt also mindestens zehn Jahrtausende in der Vergangenheit, sie sind uralte Tradition.

Dabei ist es unerheblich, ob zu allen Zeiten rauschende Feste gefeiert wurden, man bestimmte kultische Handlungen vorgenommen hat, oder gewisse „Vorzeichen des Himmels“ einfach nur das Signal für den Aufbruch in ein Sommer- oder Winterlager waren. Das „Wie“ hat sich mit Sicherheit immer wieder verändert. Das „Wann“ hatte Bestand und darauf kommt es an.

Reihenfolge und Einteilung der Jahreskreisfeste

Die Vermutung, dass früher die Wintersonnenwende den Beginn eines neuen Jahres markierte, ist – durch die Verwendung von Mondkalendern begründet – naheliegend. Aus dem Wicca-Jahreskreis kennen wir Samhain als Neujahr der Hexen. In vielen Kulturkreisen galt später das Frühjahr, die Zeit um den 1. Mai, als Jahresanfang. Nach dem alten irische Kalender, der heute irrtümlich oft als allgemeingültig für die vorchristliche Zeit angesehen wird, gab es nur zwei Jahreszeiten von Mai bis November. Litha, das skandinavische und (neu)heidnische Mittsommerfest wird zum kalendarischen oder meteorologischen Sommeranfang gefeiert.

Es scheint sinnvoll, hier mit einer pragmatischen Herangehensweise die Reihenfolge der Jahreskreisfeste dem aktuellen gregorianischen Kalender anzupassen. Damit ist der 1. Januar der erste Tag eines neuen Jahres und das erste Fest des Jahreskreises ist damit das Mondfest Imbolc. Davon ausgehend folgen Ostara, Beltane, Litha, Lammas, Mabon, Samhain und Jul. Eine praktische Bedeutung hat diese Festlegung nicht, da die Reihenfolge der Feste nach allen bekannten Berechnungsmethoden gleich ist. Sie ist aber für die zeitliche Einordnung der Feste sinnvoll.

Berechnung der Termine

Die vier Termine der Sonnenfeste sollten nach den Sonnenwenden und den Tagundnachtgleichen berechnet werden. Für die Mondfeste bieten sich Fixtermine, wie die der vier großen irischen Volksfeste an. Diese liegen am jeweils ersten Tag der Monate Februar, Mai, August und November. Allerdings wäre die Bezeichnung Mondfeste dann nicht wirklich korrekt. Passender wäre die Berechnung nach den Mondphasen. Damit bietet sich für Imbolc der 2. Vollmond, für Beltane der 5. Vollmond, für Lammas der 8. Vollmond und für Samhain der 11. Neumond im Jahr an. Was dann aber immer noch offen bleibt ist die Frage, ob ein Jahr am 1. Januar, zur Wintersonnenwende oder am 1. Mai beginnt. Auch hier plädiere ich für Pragmatik und empfehle das Kalenderjahr.

Eine Einigung darüber wird kaum jemals erzielt werden können. Gewohnheit, Überzeugung aber auch Bequemlichkeit stehen dem entgegen. Wir sollten aber auch nicht vergessen, dass wir hier über Jahreskreisfeste sprechen! Für die Ritualarbeit ist eine genaue Berechnung der astronomischen Daten natürlich sinnvoll. Feste dagegen soll man bekanntlich feiern, wie sie fallen. Da macht es durchaus Sinn, Beltane am 1. Mai zu feiern, wenn ohnehin jedermann frei hat. Fällt der Termin eines Festes in die Wochenmitte, so trifft man sich ja auch zumeist erst am darauffolgenden Wochenende.
 
 


 
 

Bildnachweis

Bild 1: Linda Krader
Bild 2, 4, 5, 6 und 9: Lizenz: shutterstock.com
Bild 3: Stonehenge zu Mittsommer. Dieses Bild wurde erstmals in der 1. (1876–1899), 2. (1904–1926) oder 3. (1923–1937) Ausgabe von „Nordisk familjebok“ veröffentlicht. Lizenz: PD
Bild 7: Skizze von Boyle Somerville. Lizenz: PD
Bild 8: „Hoch-Zeit der Menschheit“ v. R. J. Gorsleben, Faksimile-Nachdruck v. 1930, Faksimile-Verlag Bremen. Lizenz: PD
Bild 10: „Plan der Warren Field Grubenausrichtung“ | Autoren: Gaffney, V., Fitch, S., Ramsey, E., Yorston, R., Ch’ng, E., Baldwin, E., Bates, R., Gaffney, C., Ruggles, C., Sparrow, T ., McMillan, A., Cowley, D., Fraser, S., Murray, C., Murray, H., Hopla, E. und Howard, A. | 2013 Time and a Place: A luni-solar‚ time-reckoner aus dem 8. Jahrtausend v. Chr. Schottland, Internet Archaeology 34. Lizenz: CC BY-SA 3.0
Quelle: https://intarch.ac.uk/journal/issue34/1/images/figure10.html
 
 
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