Die Thoraner Saga

Die Thoraner Saga„Die Thoraner Saga“ ist die erste Kurzgeschichte in dem gleichnamigen Buch.

Die Vorgeschichte

In der Gylfaginning (Gylfis Täuschung), dem Hauptteil der Snorra-Edda des isländischen Skalden Snorri Sturluson, beschreibt dieser die Begegnung des Asengottes Thor mit dem Herrscher der Welt Utgard, Utgardloki.

Thor ist mit Loki, Thialfi und Röskwa auf Reisen. Sie treffen auf Utgardloki und dieser läd sie in seine Burg ein. Dort fordert er sie auf, an einigen Wettkämpfen teilzunehmen. Seine Gäste können jedoch keine Herausforderung für sich entscheiden.

Loki verliert das Wettessen gegen Logi und Thialfi wird im Wettlauf von Hugi besiegt. Thor nimmt gleich drei Herausforderungen an, versagt jedoch ebenfalls. Er vermag ein Trinkhorn nicht zu leeren, unterliegt in einem Ringkampf gegen die Amme Elli und und schafft es auch nicht, eine Katze über seinen Kopf zu heben.

Am Tag darauf beichtet Utgardloki Thor, wie er ihn und seine Gefährten durch Magie betrogen hat: Logi war das alles vernichtende Feuer. Es verzehrte nicht nur die Speisen, sondern auch sämtliche Knochen und den Trog dazu. Hugi war der windschnelle Gedanke, selbst der flinke Thialfi vermochte ihn nicht einzuholen.

Besonders übel hatte Utgardloki jedoch Thor mitgespielt. Das Trinkhorn, welches dieser nicht leeren konnte, war mit dem Meer verbunden. Die Amme Elli, die Thor im Ringkampf nicht besiegen konnte, war das Alter selbst und niemand konnte es beugen. Die Katze, die Thor nicht heben konnte, war nichts anderes als die riesige Midgardschlange.

Thor wurde sehr zornig, als er von dem Blendwerk hörte. Er griff nach seinem Hammer, um den Betrüger zu erschlagen.
Utgardloki rannte voller Angst in seine Burg. Er war ein fähiger Zauberer und wollte sich und die Burg verbergen, auf dass Thor ihn nie finden möge. In seiner Angst machte er jedoch einen Fehler und er, seine Burg und sogar die Bewohner Utgards verschwanden für alle Zeit.

Die Folgen

Utgard galt damit als verlorene Welt und Midgard nahm ihren Platz als neunte Welt ein. Doch Thor bereute seinen Zorn und dachte darüber nach, Utgard wieder zu besiedeln und als zehnte Welt dem Weltenbaum Yggdrasil hinzuzufügen.
Ob ihm das gelingt, davon berichtet die Thoraner-Saga.

Soweit, so gut. Oder besser gesagt „so schlecht“. Denn eine ganze Welt zu verlieren ist auch für einen Gott schon ein wenig peinlich. Lange Zeit suchte Thor nach einer Lösung. Um das Jahr 900 fand er auf Midgard einen Jungen, der ihm geeignet schien, seinen Plan der Neubesiedelung voranzubringen. Am einhundertsten Geburtstag dieses Jungen – sein Name war Sarolf – ging dann alles plötzlich sehr schnell.
Lange danach nennen sich die Nachfahren von Sarolf und seinen Freunden Thoraner. Daher der Titel „Die Thoraner-Saga“.

Die Thoraner Saga

Leseprobe

„Das gefällt mir wirklich gut.“ Sarolf war am Strand angekommen und grinste zu dem knienden Thor herab. „Du solltest öfter vor mir auf den Knien liegen. Vielleicht lehrt dich das Respekt vor dem Alter.“
„Ha ha! Im Vergleich zu mir bist du ja wohl ein junger Hüpfer.“
Thor griff nach seinem Hammer und streckte dem Freund die freie Hand entgegen. „Komm, hilf einem alten Mann auf.“
Kopfschüttelnd trat Sarolf einen Schritt zur Seite. „Damit du mich packen und ins Wasser werfen kannst? Für wie dumm hältst du mich eigentlich?“
„Also wirklich! Ich würde dich doch nie …“
„Ach ja? Hast du es verdrängt oder liegt es am Alter?“
„Oh! Du meinst die Sache damals auf dem Boot? Als du versehentlich ins Wasser gefallen bist?“
„Gefallen?“ Sarolfs Gesicht verfinsterte sich. „Willst du jetzt wirklich behaupten, ich wäre gefallen?“
„Nun ja, vielleicht war ich etwas unachtsam. Du musst aber zugeben, dass du schon ein wenig im Weg gestanden hast.“ Thor grinste und zuckte mit den Schultern. „Mein lieber Freund, werde ich jemals deine Vergebung erlangen?“
Sarolf tat, als würde er überlegen. „Nein! Aber ich gestatte dir großmütig, es jeden Tag aufs Neue zu versuchen.“
Thor rappelte sich lachend auf. Er kannte Sarolf seit dessen Geburt, und wenn sie auch nicht immer einer Meinung waren, so waren sie doch gute Freunde.

Lesermeinungen
Die kreativen Hirngespinste eines gerissenen runischen Schamanen, mit einer Vorliebe für Fantasy…
Oder vielleicht doch etwas mehr? Heißt es nicht, jede Legende hätte einen wahren Kern?Litha Menan, runische Heilerin

 
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Bilder: Die Thoraner-Saga | © Rewa Kasor
 
 

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