Keltische Mythologie

Keltische MythologieKeltische Mythologie ist eine Sammelbezeichnung für die Gesamtheit der sagenhaften profanen (weltlichen) und religiösen Erzählungen (Mythen) der Kelten. Sie reicht von der Zeit vor ihrer Christianisierung bis ins christliche Mittelalter hinein. Aus der vorgeschichtlichen und antiken Zeit sind kaum direkte schriftliche Quellen überliefert. In erster Linie müssen wir uns auf die Berichte antiker griechischer und römischer Autoren stützen. Auch von christlichen Mönchen verfassten Manuskripte geben Auskunft.

Bei den antiken Autoren werden die keltischen Götter jedoch mit griechischen und römischen Gottheiten gleichgesetzt. Die Berichte christlicher Autoren sind ohnehin immer mit Vorsicht zu behandeln. Häufig werden Überlieferungen verändert, um sie dem christlichen Weltbild anzupassen. Dies erschwert die Rekonstruktion echter keltischer Mythologie erheblich.

Fremde Einflüsse und Wechselwirkungen

Die wechselseitige Beeinflussung germanischer und keltischer Mythologie ist unbestreitbar. Sie beginnt bereits mit dem 6./5. Jahrhundert v. Chr. Zur Zeit der Römerherrschaft im Rheinland waren Germanen und Kelten schon jahrhundertelang Nachbarn.

Thor (im Norden) oder Donar (bei den kontinentalen germanischen Völkern), ist ein germanischer Gott. Er ist „der Donnerer“ und fungiert für die zur See fahrenden Völker als Gewitter- und Wettergott. Innerhalb der bäuerlichen germanischen Gesellschaft gilt er als Vegetationsgottheit. In der Edda hat er die Aufgabe des Beschützers von Midgard, der Welt der Menschen.

Taranis ist ein keltischer Gott des Himmels, des Wetters und des Donners. Taranis wird allgemein als „der Donnerer“ gedeutet, verwandt sind das walisische „Taran“ und das irische „Torann“.

Derartige Überschneidungen und Ähnlichkeiten finden sich bei vielen Göttern und Sagengestalten.

Regionale Mythologien

Die Mythologie der Festlandkelten ist weitestgehend verschollen. Besser sieht es da schon mit der schriftlich überlieferte britannische Mythologie aus. Dabei ist besonders die frühe Artussage hervorzuheben.

Ein besonderer Glücksfall ist der reiche Sagenschatz irischer Mythologie. Hauptsächlich von irischen, christlichen Mönchen niedergeschrieben, hat er die keltische Mythologie gut bewahrt. Die Mönche entstammten vermutlich selbst noch den alten Druiden- und Bardengeschlechtern. Die Veränderungen der Überlieferungen aus christlicher Sicht sind erstaunlich zurückhaltend abgefasst. Alte Legenden sind weitestgehend in traditioneller Form bewahrt.

Tiermythologie

Tiere spielen in der keltischen Mythologie eine wichtige Rolle. Viele Götter und Göttinnen stehen in enger Beziehung zu bestimmten Tieren. In den inselkeltischen Mythen spielen sie sehr oft eine handlungsauslösende Rolle.
Vögel beeindruckten die Kelten besonders durch ihre geheimnisvolle Abwesenheit in der kalten oder warmen Jahreszeit (Vogelzug). Ein Aufenthalt in der Anderswelt schien eine plausible Erklärung dafür zu sein. Vögel der Muttergöttinnen waren lebensfördernd und heilend, Vögel der Kriegsgottheiten bedrohlich und zerstörerisch. Auch freiwillige oder unfreiwillige Verwandlungen in Vogelgestalt sind ein häufiges Mythenthema.

Dem Adler wurde zugeschrieben, er könne direkt in die Sonne fliegen, deshalb wird er als würdiger Begleiter der Hauptgottheit Taranis gesehen. Eulen gelten als Symbol der Muttergottheit Rigani. Der Kranich ist ein beliebtes Motiv auf Schildern, Helmen und Waffen. In vielen irischen Sagen verwandeln sich Götter und Helden in Schwäne oder werden in solche verwandelt.

Pflanzenmythologie

Die Eichenmistel gilt als die heiligste Pflanze der Druiden. Am sechsten Tag nach dem Neumond wurde sie unter Einhaltung bestimmter Vorschriften geschnitten.

So berichtet Plinius der Ältere: „Die Mistel ist jedoch ziemlich selten zu finden und wenn sie gefunden wird, so wird sie mit großer Feierlichkeit geerntet, insbesondere am sechsten Tage des Mondes (womit bei ihnen die Monate und Jahre beginnen) und nach dem dreißigsten Jahr eines Zeitabschnittes, weil sie dann Kraft im Überfluss hat und nicht nur die Hälfte. […] Ein Priester in weißen Gewand steigt auf den Baum und schneidet die Mistel mit einer falce aurea [goldenen Sichel oder Hippe] ab.“

Da in Britannien die Eichenmistel zu dieser Zeit nicht vorkam, haben die Druiden der Insel wahrscheinlich die Weißbeerige Mistel verwendet. Im Gegensatz zur relativ wirkungslosen Eichenmistel besitzt sie eine narkotisierende und krampflösende Wirkung. Im Darm der Moorleiche „Lindow-Mann“ wurden tatsächlich Pollenkörner dieser Pflanze gefunden. Als Träger der heiligen Mistel galt die Eiche ebenfalls als heilig und Eichenlaub war nach Berichten der antiken Autoren der Kopfschmuck für Mensch und Tier bei Opferhandlungen und anderen Zeremonien.

Kessel-Mythen

Der Kessel spielt bei den Kelten (und teilweise auch bei den Germanen) eine wichtige Rolle als mythisches Gerät. Im festlandskeltischen Bereich sind Kessel als Grabbeigaben häufig archäologisch nachweisbar. Eventuell damit verbundene Mythen konnten bisher leider noch nicht erschlossen werden. In der frühmittelalterlichen Literatur der Inselkelten ist ein Kessel mit wunderbaren Eigenschaften ein immer wiederkehrendes Motiv. Es werden drei Arten von Wunderkesseln unterschieben: der Kessel des Reichtums und der Fülle, der Kessel als Beutestück aus der Anderswelt und der Kessel der Heilung oder Wiedergeburt. So besitzt der „Gute Gott“ Dagda, Mitglied der Túatha Dé Danann, einen Kessel, der unerschöpflich Speisen spendet.

Keltische Mythologie in meinen Geschichten

Als Beispiel möchte ich hier Connlay macAoife anführen. Seinen „Ursprung“ hat er im Ulster-Zyklus der keltischen Mythologie Irlands. Der wohl bekannteste Held des Ulster-Zyklus Cú Chulainn kämpft gegen die Fee Aoífe von Alba. Sie verliert den Kampf und muss Cú Chulainn drei Wünsche erfüllen. Ihr Leben erkauft sie sich unter anderem damit, dass sie sich ihm hingibt. Cú Chulainn zeugt mit ihr einen Sohn namens Connla. Diesem erlegt er drei gesa (Tabus) auf: niemals durch einen Einzelnen vom Weg abgebracht zu werden, niemals einem Einzelnen seinen Namen zu verraten und niemals einen Zweikampf zu verweigern.

In Aided Oenfir Aífe („Der Tod von Aoifes einzigem Sohn“) kommt Connla mit seinem Boot nach Ulster. Da es Conall Cernach nicht gelingt, den Knaben zu überwältigen, wird Cú Chulainn ausgesandt. Dessen Gattin Emer, die den verwandtschaftlichen Zusammenhang ahnt, versucht vergeblich, ihn davon abzuhalten. Da Cú Chulainn aber allein kommt, verschweigt Connla seinen Namen und seine Herkunft. Es kommt zum Zweikampf, in dem er von seinem Vater mit der Gae Bolga tödlich verwundet wird. Erst dann erkennt Cú Chulainn den Sohn und versöhnt sich mit ihm. Connla stirbt mit den Worten an die Ulter: „Hätte ich nur fünf Jahre unter euch leben dürfen, so hätte ich für euch die ‚Männer der Welt‘ bezwungen und euer Königreich bis Rom ausgedehnt.“

Ich habe dem unglücklichen Connla einfach einen geheim gehaltenen Zwillingsbruder mit dem Namen Connlay angedichtet. Voilà – mein keltischer Protagonist!

 


 
 
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Bild „Keltische Mythologie“: König Arthur, Miniatur im Flores Historiarum, 13. Jh. | © PD