Die dunkle Macht – Kurzgeschichte

Die dunkle Macht„Die dunkle Macht“ ist die zweite Kurzgeschichte in dem Band „Die Thoraner-Saga„.

Eine verlorene Seele schleppt sich durch den Schneesturm, hoch oben in den östlichen Bergen Utgards, nach Kermjan, dem „geschützten Tal“. Hier herrscht Alrún, die Göttliche, mit ihren beiden Wölfen. Selbst eine Skogamor, eine Ausgestoßene, nimmt sie nur diejenigen auf, die zwar Furchtbares getan, jedoch eine reine Seele haben. So, wie das kleine Mädchen Raina, die sich gezwungen sah, ein Leben zu beenden.

Alrún hat die Fähigkeit, den Wesen bis auf den Grund ihrer Seele zu schauen. Doch der Neuankömmling verbirgt die dunkle Macht in sich so tief, dass selbst sie versagt. Jetzt steht die Zukunft von Kermjan auf dem Spiel.
Pindsvinn, ein Stacheltroll von martialischem Aussehen, doch sanftem Gemüt, freundet sich mit der Fremden an. Auch Raina, das kleine Mädchen, sucht ihre Nähe. Freundschaft und Liebe müssen antreten im Kampf gegen eine Macht, die älter und vielleicht sogar mächtiger ist als selbst die Götter.

Der Ausgang des Kampfes ist ungewiss, wie auch das Fortbestehen des geschützten Tals. Doch Aufgeben ist keine Option. Nicht für die, die bereit sind, ihr Leben für ihre Freunde zu wagen.

Leseprobe

Ich nickte und sie marschierte los und etwas an ihrer Art, sich zu bewegen, ließ Alarmglocken in meinem Kopf erschallen. „Warte kurz!“ Ich fasste sie an den Schultern und drehte sie zu mir. Bei Menschen ist es leicht, man kann so vieles an den Augen erkennen. Ob Magen und Darm richtig arbeiten, Leber und Nieren funktionieren und die Lunge genug Sauerstoff liefert. Bei Frauen sieht man sogar, ob sie schwanger sind – und auch, ob sie bereits geboren haben.
Meine Kiefermuskeln verkrampften sich und ich musste für einen Moment die Augen schließen um die Fassung bewahren zu können.
„Lebt es?“
Sie schlug die Augen nieder und schüttelte leicht den Kopf. „Er hat es ertränkt.“ Keine Träne, kein Zorn, nur unendliche Traurigkeit.
„Und dann du ihn.“ Es war keine Frage, es war eine Feststellung.
„Nein, mit dem Messer.“ Jetzt blickte sie mir wieder in die Augen. „Er hat es kommen sehen.“ Und immer noch nichts als diese Traurigkeit.
So klein, so zart, so unschuldig. Vatermörderin? Rächerin? Eher Richterin und Henkerin zugleich. Ich drückte kurz ihre Schultern. „Gut gemacht.“
 
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Die dunkle Macht

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