Ymir – Die Edda in Liedern

YmirYmir ist ein Riese, der in der germanischen Schöpfungsgeschichte als das erste Lebewesen gilt.

Bild: Ymir wird von Odin und seinen Brüdern zerrissen. Radierung von Lorenz Frølich (1820–1908)

Erschaffung der Welt

Die ersten Götter, Odin, Vé und Vili, töteten Ymir und bauten aus seinen Körperteilen die Welt. Aus seinem Fleisch wurde die Erde, aus dem Blut das Meer, aus seinen Knochen Felsen und Gebirge, aus seinem Haar die Bäume, aus seinen Augenbrauen Midgard, aus seinem Schädel der Himmel und aus seinem Gehirn die Wolken.

Fast alle Vorzeitriesen ertranken in Ymirs Blut. Nur Bergelmir, der Sohn Thrudgelmirs, entkam mit seiner Frau auf einem bootartigen Untersatz. Er gilt als Stammvater des Riesengeschlechts der Hrimthursen.

„Ymir“ habe ich nach dem Volkslied „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“ geschrieben. Die Melodie stammt aus dem 18. Jahrhundert, der Komponist ist nicht bekannt.

Die Edda in Liedern: Ymir

Schon lang, bevor es die Zeit gab, im weiten leeren Raum
Weit vor dem Licht der Sonne, weit vor dem Weltenbaum
Bevor die Götter kamen, als Herrscher sich erkor’n
Bevor es eine Welt gab, ein Riese ward gebor’n

Genährt vom Milche der Urkuh noch ohne Ziel und Sinn
Ohn‘ Heimat und Familie trieb er ganz ruhig dahin
Zeugt Söhne, zeuget Töchter aus seinem eig’nen Leib
Noch gibt es keine Missgunst nicht Hass und auch nicht Neid

Von Börr und Bestla die Söhne sind Odin, Vili, Ve
Sie wollten Land und Wälder sie wollten Berg und See
Zerrissen sie den Ymir zerteilten seinen Leib
Die Welt sie daraus schufen zum Nutzen und Verbleib

Das Fleisch zur fruchtbaren Erde das Blut zum weiten Meer
Aus Knochen Fels und Steine Gebirge und noch mehr
Aus seinen Augenbrauen sie Midgard schufen bald
Der Schädel ward zum Himmel das Haar zum dichten Wald

Ist auch viel Zeit schon vergangen die Sage tut es kund
Wir haben sie empfangen wohl aus der Wanen Mund
Drum danken wir den Göttern für uns’re schöne Welt
Wir schützen und wir hegen dass sie noch lange hält

© Rewa Kasor

 
 


 
 
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Bild „Ymir – Die Edda in Liedern“ © (PD)
 
 

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