Lieder zur Lokasenna

Lieder zur LokasennaLieder zur Lokasenna: Lokasenna ist eine Edda-Erzählung, die den Auslöser für die endgültige Feindschaft zwischen den Asen und Loki beschreibt. Die Asen und Wanen saßen bei einem Festmahl bei dem Meerriesen Ägir (auch: Ögir). Seine Halle gilt als Friedenshalle, hier darf sich niemand an einem anderen vergreifen. Mit seinen Zankreden übertrat Loki dieses Gebot.

Bild: Lokasenna, Zeichnung von Lorenz Frölich (1820-1908)

Lieder zur Lokasenna: Lokis Zankreden

Ögir hatte die Götter zu einem Festmal geladen. Leuchtendes Gold diente statt brennenden Lichtes. Alle Gäste rühmten, wie gut Ögirs Leute sie bedienten. Loki, der das nicht hören mochte, erschlug Ögirs Diener Funafengr. Die Asen jagen Loki davon und widmen sich wieder ihrem Mal. Loki kehrte jedoch zurück und spracht mit Eldir, einem weiteren Diener Ögirs:
Loki: „Sage mir, Eldir, eh du mit einem Fuße vorwärts schreitest, was für Tischgespräche tauschen hier innen der Sieggötter Söhne?“
Eldir: „Von Waffen reden und ruhmvollen Kämpfen der Sieggötter Söhne. Asen und Alfen, die hier innen sind, keiner weiß von dir ein gutes Wort.“
Loki: „Ein will ich treten in Ögis Hallen, selber dieß Gelag zu sehn. Schimpf und Schande schaff ich den Asen und mische Gift in ihren Meth.“

In einer Rede verspottet Loki die Götter und gesteht sogar seine Schuld an Balders Tod. Die Asen versuchen Loki zu beruhigen, doch erst als Thor droht, Loki mit seinem Hammer zu erschlagen, ergreift dieser die Flucht.
Er nimmt die Gestalt eines Lachses an und springt in den Waßerfall Franangr. Doch die Götter fangen ihn und binden ihn mit den Gedärmen seines Sohnes Nari. Sein anderer Sohn Narfi wird in einen Wolf verwandelt. Skadi nimmt eine Giftschlange und hängt sie auf über Lokis Antlitz. Der Schlange entträufelte Gift. Sigyn, Lokis Weib, setzt sich neben ihn und hält eine Schale unter die Gifttropfen. Wenn aber die Schale voll ist, trägt sie das Gift hinweg. Unterdessen träufelte das Gift in Lokis Angesicht, wobei er sich so stark windet, dass die ganze Erde zittert. Das wird nun Erdbeben genannt.

„Lokis Zankreden“ habe ich nach der Melodie des Volksliedes „In einem Polenstädtchen“ (Komponist unbekannt, vor 1896) geschrieben.

Lokis Zankreden

Der Asen Lieder schallen
In Ögirs gold’nen Hallen
Bis Loki kam
Nun schweigt, Verräter allemal
Hier in des Riesen Saal
Seid still und rührt euch nicht
Jetzt spreche ich

Er jeden Asen schmähte
Wenn er ihn nur erspähte
In Ögirs Saal
Der Tyr ward Krüppel gleich genannt
Den man untauglich fand
Der Götter Freund zu sein
In Asenheim

Der Heimdall sei kein echter
Der Asen – Nur ein Wächter
In Lohn und Brot
Und Freyja Hure ward genannt
Zu jedem Mann sie fand
Der ihr den Lohn verspricht
Nur Loki nicht

Die Schuld an Balders Tode
Wie eine Trauerode
Gesteht er ein
Doch Thor, den Hammer in der Hand
Weil er’s so ruchlos fand
Spuckt Loki ins Gesicht
So sprichst du nicht

Sie fingen ihn und banden
Mit Därmen von Verwandten
An harten Stein
Die Schlange über seinem Kopf
Von der das Gift abtropft
Bringt ihm nun Schmerz und Leid
Für alle Zeit

Der eine Sohn muss sterben
Der and’re kann nicht erben
Als wilder Wolf
Das hat der Loki nicht gedacht
Was man da mit ihm macht
Er wohl auf Rache sinnt
Sei sie auch blind

Wir singen die Geschichten
Von Asen, wenn sie richten
In ihrem Zorn
Und die Moral von der Geschicht
Mach es wie Loki nicht
Wenn du gesoffen hast
Dann halt das Maul!

© Rewa Kasor
 
 


 
 
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Bild „Lieder zur Lokasenna“: Zeichnung von Lorenz Frölich (1820-1908). © (PD)
 
 

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