Workshop Runen – Materialkunde #9

Workshop Runen - Materialkunde #9Workshop Runen Materialkunde #9: Holz 1

Holz ist das ursprüngliche Material für Runen. Aber Holz ist nicht gleich Holz! Der Energiefluss der Runen verläuft in Holz immer parallel zu den Fasern. Jedoch ist der Faserverlauf nicht in jeder Holzart gerade. Die meisten Stämme der Rosskastanie weisen z.B. einen deutlichen Rechts-Drehwuchs auf. Dadurch verlaufen die Fasern im Stamm nahezu spiralförmig. Senkrecht wachsende Stämme der Haselnuss wachsen ohne Drehwuchs. Waagerechte Seitenäste können, je nach Sonneneinfall, einen leichten bis extrem starken Links- oder Rechts-Drehwuchs zeigen. Seitenäste beeinflussen den Faserverlauf des Stammes erheblich. Auch Härte, Feuchtigkeit, Temperatur und weiteres beeinflussen das Material. Holz ist aufgrund seiner Wachstumseigenarten eben kein gleichmäßiges Medium. Man muss also schon recht genau hinschauen, welches Holz wofür verwendet wird.

Laubholz ist gegenüber Nadelholz (abgesehen von der harzfreien Eibe) vorzuziehen. Vermutlich liegt das an dem hohen Harzgehalt von Nadelbäumen. In gewisser Weise ist das allerdings schon paradox zu nennen, denn Harz (Resin), vermischt mit dem Schleifpulver von Bernstein, ist für die Runenarbeit nahezu unentbehrlich geworden.

Aufbau

Wenn wir uns den Querschnitt eines Baumstammes anschauen, erkennen wir drei verschiedene Schichten. (Siehe Bild)
1 Das Kernholz im Inneren des Stammes.
2 Das sogenannte Splintholz.
3 Kambium, Bast und Borke außen am Stamm.

Das Splintholz bildet die Nährstoffleitung des Baumes von den kleinsten Wurzeln bis in den Kronenraum. Da es relativ viel Wasser speichert, muss es sehr gründlich getrocknet werden. Feuchtes Holz leistet der Pilzbildung Vorschub und es können später Risse entstehen. Werden kleinere Zweige verwendet, so bestehen diese fast vollständig aus Splintholz. Zweige sollten daher vor der Verarbeitung im Stück getrocknet werden. Kleinere Holzstücke bekommen leichter Trocknungsrisse.

Sammeln

In unseren Breiten gibt es vier klimatisch bedingte Wachstumsphasen:
1. Die Ruhephase von November bis Februar.
2. Die Mobilisierungsphase von März bis April.
3. Die Wachstumsphase von Mai bis Juli.
4. Die Depositionsphase von August bis Oktober.

Holz sollte bevorzugt in der Ruhephase gesammelt werden. Es sind dabei jedoch unbedingt die örtlichen Vorschriften zu beachten. Informationen, was man wo sammeln darf und was es eventuell kostet, bekommt man beim zuständigen Forstamt.
Für Holz spricht, dass es sich relativ gut bearbeiten lässt, Energie hervorragend leitet, und durch Feuer vernichtet werden kann. Dazu sieht es auch noch recht ansprechend aus.

Bearbeiten

Das leider oftmals praktizierte Ritzen (oder gar Einbrennen) der Runen in die Stirnseite von Holzscheiben ist die „quick and dirty“ – Methode. Die Runen stehen dabei im rechten Winkel zu den Holzfasern. Der Energiefluss wird dadurch stark gehemmt. Holz als Basismaterial für Runen sollte nie in Scheiben gesägt werden. Wir schneiden Blöcke aus einem Holzstück und spalten diese dann. So bekommen wir eine Fläche, auf die man Runen parallel zu den Fasern ritzen kann. Bei gespaltetem Holz sieht man auch besser, ob die Fasern durch seitlich herauswachsende Äste abgelenkt und somit der Energiefluss beeinträchtigt wird.

Kernholz ist für unsere Zwecke am besten geeignet. Es enthält phenolische Inhaltsstoffe, die die Zellwände imprägnieren und dadurch die Dauerhaftigkeit des Holzes erhöhen. Meist sind diese Inhaltsstoffe auch farbig, dadurch ist die Unterscheidung von Kern- und Splintholz recht einfach.

Frisches Holz lässt sich erheblich leichter bearbeiten als getrocknetes Holz. Davon sollte man sich jedoch nicht verleiten lassen! Man fertigt sich einen wunderschönen Rohling, ritzt die Rune, weiht und bindet sie und dann bekommt das Holz Trocknungsrisse und leitet die Energie nicht mehr so gut. Besser, man macht es gleich ordentlich und verwendet nur trockenes Holz.
 
 
 
Siehe auch den Beitrag zu unseren Buch Deine RunenReise
 
 
Bild: Workshop Runen – Materialkunde #9 | © Rewa Kasor
 
 

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