Workshop Runen – Materialkunde #8

Workshop Runen - Materialkunde #8Workshop Runen Materialkunde #8: Birkenpech und Resin

Bild: Eine von Ötzis Pfeilspitzen, die mit Birkenpech am Schaft befestigt wurde.

Birkenpech

Um Beispielsweise die Kraft einer Rune mit der Wirkung eines Heilsteines zu verbinden war Birkenpech über mehrere Jahrhunderte das einzige Mittel, verschiedene Materialien miteinander zu verbinden.

Mechanische Verbindungen (z.B. das Einpassen eines Steines in ein Stück Holz) bringen zwar bereits Erfolge, jedoch ist das Verkleben die bisher einzig gefundene sinnvolle Verbindung. Der Kontakt zwischen den verschiedenen Materialien muss großflächig und dauerhaft sein.

Birkenpech hat jedoch einige Nachteile. Die Herstellung ist zwar nicht besonders kompliziert, muss jedoch wegen der Entstehung giftiger Gase im Freien erfolgen. Zur Verarbeitung muss es wieder Erwärmt werden, wobei dann wieder giftige Dämpfe entstehen. Ein Talisman aus mit Birkenpech verklebten Materialien an einem heißen Sommertag unter einer weißen Bluse getragen kann einem sehr gründlich den Tag vermiesen.

Dennoch: Birkenpech wurde nachweislich schon in der Steinzeit zum Verkleben und Abdichten genutzt, ist ein reines Naturprodukt und klebt wie Hölle.

Herstellung

Man benötigt etwas Lehm, eine Blechdose mit (Schraub-)Deckel und eine zweite Blechdose, die etwas kleiner als die erste ist.

Die kleinere Blechdose wird so in den Boden vergraben, dass der Rand 1-2cm über den Boden ragt. In den Deckel der größeren Blechdose bohrt man mittig ein Loch von ca. 4-6mm. Dann wird die Dose mit klein geschnittener Birkenrinde gefüllt, verschlossen und mit dem Deckel nach unten über die kleinere Dose gestellt. Um die Dose herum wird alles gut mit Lehm abgedichtet.

Um und eventuell auch über die Dose wird dann Holz geschichtet und entzündet. Der Lehm sichert die Dose gegen Umfallen und verhindert das Austreten von Dämpfen, die sich sonst entzünden würden. Weiterhin verhindert er das Eindringen von Sauerstoff in die Blechdose.

Birkenpech entsteht durch trockene Destillation bei einer Temperatur zwischen 200 und 500°C. Bei einem Holzfeuer ist also eine Temperaturkontrolle im Normalfall nicht erforderlich. Wenn alles gut mit Lehm abgedichtet ist, also kein Sauerstoff eindringen kann, kommt es auch nicht zur Verkohlung oder Entzündung. Bei einem Fassungsvermögen von einem Liter dauert es etwa 30 bis 60 Minuten. Die Ausbeute an Birkenpech ist zwar gering, aber man braucht davon ja auch keine großen Mengen.

Resin

Um verschiedene Materialien zu verbinden, und in einer Kombination als Körper für Runen zu verwenden, stand lange Zeit nur Birkenpech zur Verfügung. Man kann natürlich auch andere Kleber verwenden und sogar mechanische Verbindungen sind möglich. Für ein optimales Ergebnis musste man jedoch Birkenpech einsetzen.

Heute gibt es eine weitere und sehr saubere Lösung. Epoxidharz vermischt mit Bernsteinpulver (fällt beim Schleifen ohnehin in großen Mengen an) verklebt praktisch alle Materialien sicher und dauerhaft miteinander. Durch das Bernsteinpulver werden die Energieformen verschiedener Materialien harmonisiert und wirken sogar besser, als mit dem herkömmlichen Birkenpech.

Besonders gut geeignet, aber auch etwas teurer, ist Resin, welches aus Naturstoffen hergestellt wird. Unter dem Namen ArtResin ist beispielsweise ein Harz erhältlich, welches keine flüchtigen organischen Verbindungen (englisch volatile organic compounds, kurz VOC) und keine Dämpfe enthält und daher nach Angaben des Herstellers ungefährlich für den Hausgebrauch ist. Während die meisten Epoxidharze auf dem Markt hochgiftig sind, ist ArtResin als nicht gesundheitsschädlich und nicht brennbar eingestuft, und weist keine Schrumpfung auf. Es werden nur hochwertigste Rohstoffe und absolut keine billigen Füllstoffe, keine nicht-reaktive Verdünner oder Lösungsmittel verwendet. Resin, in Verbindung mit dem Schleifpulver von Bernstein, ist damit eine zwar kostenintensive, dafür jedoch saubere und dauerhaft haltbare Alternative zu Birkenpech.

 
 
 
Siehe auch den Beitrag zu unseren Buch Deine RunenReise
 
 
Bild: Workshop Runen – Materialkunde #8 | Eine von Ötzis Pfeilspitzen, die mit Birkenpech am Schaft befestigt wurde. Diese Datei ist lizenziert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 4.0 international“. Urheber: Ursula Wierer, Simona Arrighi, Stefano Bertola, Günther Kaufmann, Benno Baumgarten, Annaluisa Pedrotti, Patrizia Pernter, Jacques Pelegrin
 
 

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