Loki – Täter oder Opfer?

LokiLoki ist der vielseitigste und vielschichtigste aller Götter. In den Überlieferungen wird er zumeist als verschlagen, hinterhältig und verräterisch dargestellt. Ich sehe in Loki jedoch nicht den Täter sondern ein Opfer, dem unser Mitgefühl gelten sollte. Im Folgenden möchte ich das darlegen und auch begründen.

Die Jötunen sind ein sehr altes und mächtiges Volk. Als Nachkommen des Urriesen Ymir lebten sie bereits vor der Geburt der Götter. Die Jötunen Fárbauti und Laufney sind die Eltern Lokis, er ist also von Geburt ein Jötun. Von seinem Leben bei den Jötunen ist jedoch kaum etwas bekannt.

Odin wurde auf ihn aufmerksam, weil er sich einen Namen als kluger Taktiker und hervorragender Stratege machte und ganz allgemein als überaus intelligent bekannt war. Diese Eigenschaften wollte Odin sich zunutze machen. Sicher gab es auch noch andere Gründe für die Freundschaft zwischen Odin und Loki. Um Loki fest an die Asen zu binden, schloss Odin mit ihm Blutsbrüderschaft.

Ase oder Jötun?

Wir kennen das schon von den Walküren: Durch Blutsbrüderschaft machte Odin sie zu Asen. Was für die Walküren, die zuvor Geistwesen waren, ein Segen war, wurde für Loki jedoch zum Fluch. Von den Jötunen wurde er ausgestoßen. Sie waren es, die ihn nun als Verräter betrachteten. Die Asen dagegen nahmen ihn nie wirklich als einen der Ihren auf. Seine Herkunft von den mit den Asen verfeindeten Jötunen machte das unmöglich.

Loki wurde in der grausamsten Bedeutung des Wortes entwurzelt. Einzig die Freundschaft mit Thor und die allen Widrigkeiten trotzende Liebe seiner Frau, der Asin Sigyn, geben ihm etwas Halt. Da Thor jedoch als eingeschworener Feind der Jötunen ständig gegen sie kämpft, hielt die Freundschaft nicht sehr lange. Man kann Loki jedoch nicht vorwerfen, dass er nicht versucht hätte, von den Asen anerkannt zu werden. Er erfand das Fischernetz und schenkte es den Menschen auf Midgard, deren Beschützer Thor ist. Als Gestaltwandler konnte er sich in eine Stute verwandeln und gebar so dem Hengst Svadilfari das achtbeinige Pferd Sleipnir, das er Odin schenkte. Durch seine Hilfe erlangte Thor den Hammer Mjölnir zurück, nachdem dieser von dem Riesen Thrym gestohlen wurde. In der Edda finden sich noch sehr viel mehr Beispiele für Lokis (gute) Taten

Loki heute

Einem als Jötun Geborenem trugen die Asen jedoch mehr seine Streiche nach, als dass sie seine Verdienste anerkannten. Zumindest ist es so überliefert. Lokis innere Zerrissenheit und seine seelischen Qualen müssen unbeschreiblich (gewesen) sein. Sein Wunsch nach Zugehörigkeit und die immerwährende Ablehnung bewirkten letztendlich, dass er sich gegen die Asen wandte.

Nach meiner Auffassung sollten wir uns weniger an den (christlich beeinflussten) Überlieferungen zu Lokis Charakter und Taten orientieren und statt dessen unser Bild von ihm neu überdenken.

 


 
 
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Bild: Loki mit Fischnetz | PD
 
 

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